Staatliches Gymnasium Holzkirchen
Jörg-Hube-Str. 4, 83607 Holzkirchen
Tel: 08024 - 30326-0, Fax: 08024 - 30326-99
Anmelden

Einloggen

Username *
Password *
an mich erinnern

Was erwartet dich im Fach Geschichte am Staatlichen Gymnasium Holzkirchen?

Geschichte umgab für lange Zeit der Nimbus eines Lernfaches, „spannend“ war für viele Schülerinnen und Schüler mit Sicherheit nicht das Wort der Wahl, „staubtrocken“ eher. Dies hing wohl auch damit zusammen, dass sich das Fach über Jahrzehnte begnügte, gelistetes Wissen, sogenannte Fakten zu vermitteln, die aus dem Kopf des Lehrers mehr oder weniger erfolgreich in den Kopf der Schüler zu übertragen waren. Selbstverständlich hat sich die moderne Fachdidaktik nicht erst in den letzten Jahren sowohl inhaltlich als auch methodisch weiter entwickelt, aber Vorurteile sind hartnäckig. Wir Geschichtslehrer können mehr als ein Lied davon singen.

In einer Zeit, in der das Beschaffen von Fakten und Daten weit weniger Probleme bereitet als früher, in der Informationen fast schon omnipräsent sind, in der aber in weit größerem Ausmaß der kritische Nutzer gefragt ist, Spreu von Weizen, auch Lüge von Wahrheit zu trennen, wollen wir in Geschichte an unserer Schule dazu beitragen, kritisch zu werden. Wir wollen die Horizonte unserer Schülerinnen und Schüler erweitern. Reisen bildet, heißt es, nach unserer Überzeugung gilt dies nicht nur in geographischer Dimension, sondern auch in zeitlicher. Einfacher formuliert nehmen wir unsere Schülerinnen und Schüler mit auf eine Zeitreise, auf der sie staunen sollen, staunen über Bekanntes wie Fremdes. Sie sollen erkennen, wie die immer gleichen Probleme menschlichen Zusammenlebens früher geregelt wurden, welche Strategien Erfolge wie Schreckliches zeitigten, und lernen. Freilich, es heißt auch, aus Geschichte könne man nicht lernen, und selbstverständlich gleichen sich Situationen, in denen Menschen handeln, nie ganz. Aus diesem Grunde aber wegzusehen wäre eine unglaubliche Vergeudung von Möglichkeiten. Wir sind uns sicher: Wie eine Urlaubsreise auch kann unsere Zeitreise Anstrengung bedeuten, manches Mal Überwindung und Mut, sie wird immer Einsatz fordern und letztlich eine Leistung sein. Aber, sie wird auch Freude bereiten, sie kann unglaublich spannend sein und uns bereichern.
 

Unsere Zeitreise beginnt in der 6.Jahrgangsstufe am Anfang von Allem, wobei wir mit Siebenmeilenstiefeln durch die Vorgeschichte eilen, also lange Spannen von Jahrmillionen durchmessen, bis die Menschen das erfinden, was als Brot des Historikers gilt, die Schrift. Endlich schriftliche Quellen! Es ist wirklich Zeit geworden! Ab jetzt müssen wir nicht mehr ausschließlich in fremden Revieren wildern, in denen Physiker, Chemiker und Biologen mit ihren eigenen Methoden viel weiter kommen als wir Historiker. Jetzt werden schriftliche Quellen ausgewertet, Texte auf ihre Zuverlässigkeit geprüft, Motiven für Meinungen und Einschätzungen wird nachgespürt, oder auch für Lügen. Aber auch dann geht es noch schnell. Die Hochkulturen mit ihren Tausenden von Jahren fliegen vorüber, und ehe in unserer Zeit knapp mehr als ein halbes Jahr verstrichen ist, sind Alt- und Jungsteinzeit, Ägypter und Griechen Geschichte, und auch die Uhr für das Römische Reich tickt bereits vernehmlich. Und dann verlöscht das Licht, nach dem Schlag der Völkerwanderung beginnt das Dunkle Zeitalter, irgendwo und irgendwie zwischen Antike und Mittelalter, beinahe vergleichbar der quellenlosen Zeit der Vorgeschichte. Aber, es wird wieder Licht, und was wir mit unseren Schülern gemeinsamen sehen, ist eine verwandelte Welt: Mönche, Klöster, Ritter, Burgen, Hexen und Teufel. Das ist nicht „staubtrocken“ und vergeblich ist die Liebesmüh´ ganz bestimmt auch nicht.

In der 7.Jahrgangsstufe beginnt die Schrittweite auf unserer Reise kleiner zu werden, unser Blick auf unser Geschehen damit genauer. Die Fragen, die uns im Unterricht begegnen, sind die, die uns auch heute noch beschäftigen, zumindest uns Erwachsene. Die Schülerinnen und Schüler hier mitzunehmen ist eine Herausforderung. Wie organisierten die Menschen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit ihren Staat, ihr Leben, an welchen Werten orientierten sie sich bei ihren Entscheidungen, welche Folgen hatten diese? Wie gingen sie mit Minderheiten um? Die Frage: „Wie machen wir das heute?“  schwingt dabei immer mit, auch: „Machen wir das nicht nur anders, sondern besser?“ So unangemessen der Begriff „besser“ geschichtswissenschaftlich auch mit Recht erscheint, im Unterricht ist er nötig und hilfreich.

Das harte und in allem im Vergleich zu unserer heutigen Lebenswelt so andere Leben der mittelalterlichen Bauern ist ein Verharren wert und einen längeren Blick, Sozialgeschichte, Geschichte des Kleinen Mannes, lange im Unterricht verpönt. Die sogenannte Entdeckung Amerikas ist Thema, und Thema als Thema der Rezeptionsgeschichte. Einfacher: Wer schreibt Geschichte? Und warum? Und warum so, wie er es schreibt? Zuletzt der Absolutismus in Theorie und Praxis, eine erste, echte Konfrontation mit politischen Theorien und deren Folgen.

In der 8.Jahrgangsstufe schließlich nähern wir uns nun ernsthaft unserer Gegenwart. Immer leichter wird es den Schülern zu verdeutlichen, dass Geschichte grundsätzlich nicht endet, dass wir stets zumindest zu einem größeren Teil auch das sind, was wir werden konnten, auf der Basis des zuvor Geschehenen. Das Zeitalter der Revolutionen ist Thema, politischer, wirtschaftlicher und ethischer. Die großen Fragen des 19.Jahrhundert, nationale, liberale und soziale Frage, von deren tatsächlicher Lösung wir heute, mondial betrachtet, vielleicht weiter entfernt sind als noch vor einem Vierteljahrhundert. Gibt es wirklichen Fortschritt? Kaiserreich und Imperialismus, die Folgen noch heute in den sogenannten Entwicklungsländern schmerzlich spürbar. Die großen Kränkungen der Menschheit, Darwin, Nietzsche, Freud, der Erste Weltkrieg, die Weimarer Republik. Und das in zwei Stunden die Woche! Auch das ist eine Herausforderung, für Schülerinnen und Schüler, für uns Lehrer. Eine Herausforderung aber, die lohnt.

Unsere Zeitreise in der 9.Jahrgangsstufe beginnt in der Weimarer Republik, den „Goldenen Zwanzigern“, Zeit des Frauenwahlrechts, einer demokratischen Verfassung, technischen Fortschritts und wirtschaftlichen Aufschwungs.  Die Grundsteine einer modernen Gesellschaft – wie wir sie heute verstehen- werden gelegt. Die schwierigen Ausgangsbedingungen der ersten deutschen Republik werden von Nationalsozialisten ausgenutzt: Sozialer Fortschritt und ein vielfältiges kulturelles Leben enden in einer totalitären Diktatur. Die dunkelsten Momente der deutschen Geschichte werfen Fragen auf: Warum mussten Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg für eine Ideologie sterben? Warum werden Minderheiten verfolgt? Wie war der Weg in dieses Unheil möglich? Um uns diesen Fragen zu stellen sowie die Antworten kritisch und mutig zu betrachten, werden wir auch Geschichte vor Ort erleben und besuchen die Gedenkstätte in Dachau.

Nach dem Krieg liegt alles in Trümmern. Wirklich alles? Wie soll es weiter gehen? Wir erkennen, dass gegensätzliche Wert- und Ordnungsvorstellungen der Alliierten nicht nur zur Teilung der Welt, sondern auch zur Teilung Deutschlands führen und in den „Kalten Krieg“ münden.

FV logo

 

EB logo